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Patientenatlas Schmerz

©2012GrünenthalGmbH Mögliche Entstehung von Phantomschmerzen Behandlung A B Wie Phantomschmerzen im Detail entstehen, ist ungeklärt. Die dargestellten Mechanismen scheinen eine wesentliche Rolle zu spielen. [1] Der Körper will die durchtrennten Nerven reparieren, schießt dabei aber häufig über das Ziel hinaus. Es können beispiels- weise Neurome (gutartige Verklumpungen von Nervengewe- be) entstehen, die hyperaktiv sind, überreagieren und druck- empfindlich sind. In der Folge entstehen sinnlose spontane Schmerzimpulse, die als einschießender neuropathischer Schmerz empfunden werden. [2] Das zentrale Nervensystem wird durch den ständigen Be- schuss mit Schmerzimpulsen überempfindlich - man spricht von zentraler Sensibilisierung. Dabei verändern sich die Nerven auch in ihrer Struktur, z. B. durch den Einbau neuer Io- nenkanäle. Schmerzleitende Nervenfasern induzieren elektrisch (ohne Transmitter) nicht leitende Fasern (Ephapsen). Solche spontanen Aktivitäten können Krämpfe verursachen. In der Folge werden Schmerzen stärker als normal empfunden. Die wahrgenommenen Schmerzqualitäten (z. B. brennend, ein- schießend, stechend etc.) sind sehr unterschiedlich. [3] Durch die Schädigung bzw. Verletzung von Schmerzfasern kann es zu „Kurzschlüssen“ zwischen den schmerzleitenden Nervenfasern und Fasern des Sympathikus kommen. Man ver- mutet eine „Aussprossung“ der sympathischen Nerven an die schmerzleitenden Fasern. Dies bedeutet, dass Schmerz entsteht, sobald der Sympathikus aktiv wird (z. B. bei Stress). Damit unterhält der Sympathikus den neuropathischen Schmerz dauerhaft. Wegen der anhalten- den Schmerzimpulse neigen neuropathische Schmerzen dazu, chronisch zu werden. [4] Durch die Amputation fallen die entsprechenden Sinnesim- pulse zum Gehirn aus, und Signale zu den entfernten Muskeln laufen ins Leere. Die entsprechenden Regelkreise im Gehirn Phantomschmerz 40 Phantomschmerz (Signal zur Muskelkontraktion und Rückmeldung über das Er- gebnis) sind nicht mehr intakt. [5] Um dieses Problem zu lösen, organisiert das Gehirn die entsprechenden Zuordnungen in den Hirnregionen neu. Dies führt dazu, dass dann benachbarte Hirn- regionen Empfindungen im amputierten Körperteil auslösen kön- nen. „Konflikte“ in den Zuordnungen könnten möglicherweise Schmerzen auslösen. Calcitonin führt bei Phantomschmerz meist zu einer effektiven Schmerzlinderung. Der Wirkmechanismus ist nicht geklärt. Co-Analgetika (Antidepressiva und Antikonvulsiva) wirken gegen den neuropathischen Schmerz durch Unterstützung der körper- eigenen Schmerzhemmung. TENS (transkutane elektrische Ner- venstimulation) kann als Gegenirritationsverfahren die Schmerz- schwelle erhöhen. Die Spiegeltherapie ist ein sehr wirksames Verfahren zur Schmerzlinderung und Entspannung, bei dem durch einen Spiegel die optische Illusion zweier gesunder Körperteile hervorgerufen wird und in dieser Konstellation verschiedene Übungen durchge- führt werden. Durch die Spiegeltherapie sollen Fehler in der Umor- ganisation des Gehirns korrigiert werden. Sympathikusblockaden werden eingesetzt, um die Sympathi- kusaktivität zu blockieren und damit den Teufelskreis des sym- pathisch unterhaltenen Schmerzes zu unterbrechen. Dieses Ver- fahren wird eher selten und wenn überhaupt, dann in der frühen Phase des Phantomschmerzes angewandt. Wenn diese Verfahren nicht ausreichend wirken, können bei sehr starken Schmerzen Opioid-Schmerzmittel in Kombination mit Co-Analgetika eingesetzt werden.

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