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Patientenatlas Schmerz

©2012GrünenthalGmbH Mögliche Entstehung und Krankheitszeichen eines CRPS Behandlung A B Ein CRPS entsteht typischerweise nach Verletzungen oder opera- tiven Eingriffen. Am häufigsten geht dem CRPS eine distale Radi- usfraktur (Bruch der Speiche nahe dem Handgelenk) voraus. Man spricht von einem CRPS I (Morbus Sudeck), wenn keine Nerven- verletzung vorliegt, und von einem CRPS II (Kausalgie), wenn eine Nervenverletzung nachgewiesen ist. Charakteristisch für das CRPS ist, dass der Schweregrad der Krankheitszeichen (Symptome) in keinem Verhältnis zum Schwe- regrad der Ausgangsverletzung steht. Man vermutet neben ande- ren Faktoren eine reduzierte körpereigene Schmerzhemmung. Mögliche Entstehung: Ausgangspunkt ist eine Verletzung [1], die ein Schmerzsignal generiert [2], das zum Gehirn geleitet wird. Das Gehirn leitet steuernde Impulse über das Rückenmark [3] unter anderem zum Sympathikus [4]. Es folgen zunächst die normalen Reaktionen des Sympathikus wie Gefäßverengung und Schweißsekretion [5]. Beim CRPS scheint allerdings eine komplexe Fehlfunktion des Sympathikus vorzuliegen, die möglicherweise im Erbgut festgelegt ist. Diese Fehlfunktion führt zu starken Schwellungen und einer be- sonders starken und anhaltenden Verengung der Gefäße, die zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff führt. Es entstehen vermehrt saure Abbauprodukte (Azidose), die zu einer Schmerzverstärkung beitragen [6]. Das verstärkte Schmerzsignal wird ans Gehirn geleitet und ein Teufelskreis aus Schmerz und Schwellungen entsteht [7]. Krankheitszeichen im akuten Stadium: Nach einer vergleichs- weise harmlosen Verletzung entstehen starke neuropathische Spontan-Schmerzen, Hyperalgesie (Überempfindlichkeit für Schmerzen) und Hyperästhesie (Überempfindlichkeit für Berüh- rung). Darüber hinaus zeigen sich starke Schwellungen mit Flüs- sigkeitseinlagerungen (Ödeme) und massive vegetative Begleiter- scheinungen wie ungewöhnlich starkes Schwitzen. Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS I [M. Sudeck], CRPS II [Kausalgie]) 39 Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS I [M. Sudeck], CRPS II [Kausalgie]) Häufig sind die Fähigkeiten zur Bewegung eingeschränkt. Durch die veränderte Hautdurchblutung werden auch die Temperatur und die Farbe der Haut verändert. In vielen Fällen findet man bei fortge- schrittener Erkrankung trophische Störungen der Nägel und Haare (vermehrtes Wachstum), des Unterhautgewebes und der Knochen, wobei das Knochenvolumen durch erhöhten Knochenumsatz ver- mindert ist (high turnover Osteoporose). Die Schwäche und geringe Beweglichkeit der betroffenen Glied- maßen sind zunächst durch Schmerzen und Schwellungen bedingt, später im chronischen Stadium durch schwere Schäden an Mus- keln, Sehnen, Bändern und Knochen. Ziele der Behandlung: Frühzeitige fachübergreifende Therapie zur Wiederherstellung einer korrekten Funktion der Nervensysteme. Medikamentöse Behandlung mit Glukokortikoiden, Analgetika (Schmerzmitteln), Bisphosphonaten sowie Antikonvulsiva [=Anti- epileptika] zur Hemmung der Erregbarkeit von Nervenzellen und der Erregungsweiterleitung in Gehirn und Rückenmark und Antidepres- siva zur Unterstützung der körpereigenen Schmerzhemmung. Darüber hinaus werden Sympathikusblockaden in der Frühphase zur Reduzierung der Fehlfunktion des sympathischen Nervensys- tems eingesetzt. Tritt trotz adäquater Therapie keine Besserung ein, kann die rückenmarksnahe Elektrostimulation (spinal cord stimulati- on) in Erwägung gezogen werden. Weitere Therapieoptionen sind die Physiotherapie zur Verbesse- rung der Funktion, TENS (transkutane elektrische Nervenstimulati- on) zur Erhöhung der Schmerzschwelle, Schmerzbewältigungstrai- ning zur besseren Kontrolle über die Schmerzen. Spiegeltherapie wirkt schmerzreduzierend, indem durch einen Spiegel die optische Illusion zweier gesunder Körperteile hervorgerufen wird. Mit Ergotherapie (Einüben alltäglicher Handlungen mit dem Ziel einer selbstbestimmten Teilhabe am sozio-kulturellen Leben) und Sozialberatung lässt sich die Lebensqualität nachhaltig verbessern.

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