
©2012GrünenthalGmbH 7 Was ist chronischer Schmerz? Ursache sind ständige Schmerzreize Ständige und unzureichend behandelte Schmerzreize führen zu einer Erschöpfung des körpereigenen Schmerzhemmsys- tems. Außerdem verändern sie die Verschaltungen im zentralen Nervensystem, so dass die Schmerzen chronisch werden. Chronische Schmerzen entstehen nicht mehr als Antwort auf einen Reiz der Nozizeptoren („Schmerzfühler“), sondern als Folge des jeweiligen Verschaltungszustands der Synapsen im zentralen Nervensystem (ZNS), also in Gehirn und Rückenmark. Das ZNS kann von sich aus das Schmerzempfinden verändern, verstärken oder initial auslösen. Das ZNS lernt „Schmerzzustände“ ebenso wie die Koordina- tion beim Radfahren und bildet ein Schmerzgedächtnis aus. Je länger Schmerzen anhalten, umso schneller wird das Signal als Schmerz interpretiert. Psyche und Schmerz sind eng miteinander verknüpft Wegen der komplexen neuronalen Verschaltungen zwischen den verschiedensten Hirn-Regionen hängt das Ausmaß der Chronifizierung und die individuelle Bewertung des Schmerz- geschehens stark von der psychischen Verfassung ab. Von besonderer Bedeutung scheinen die Verschaltungen mit dem limbischen System zu sein, einer Funktionseinheit des Ge- hirns, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Es sind zahlreiche psychosoziale Faktoren bekannt, die ein besonders hohes Chronifizierungsrisiko anzeigen. Dazu gehören eine depressive Stimmungslage, ungünstige Formen des Um- gangs mit Schmerzen sowie chronische Stressoren in berufli- chen und privaten Alltag. A B Was ist chronischer Schmerz? Akuter Schmerz entsteht beispielsweise als Folge einer Verlet- zung oder Erkrankung Er hat eine Warnfunktion. Die Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem ist intakt. Chronischer Schmerz ist eine eigenständige Erkrankung. Er hat seine Warnfunktion vollständig verloren. Er ist eine sinnlose Fehlfunktion des zentralen Nervensystems.